Oradea

In kaum einer anderen südosteuropäischen Stadt wird der Wandel so sichtbar wie in Oradea: Mit ihren knapp 185.000 Einwohnern hat sich diese Art Nouveau-Stadt in den vergangenen zehn Jahren herausgeputzt und präsentiert ihre Schmuckstücke heute in neuem Glanz.

Noch heute gehört Oradea (ung. Nagyvárad) in Rumänien zu den Städten mit der zahlenmäßig größten ungarischen Bevölkerung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich im beschaulichen Stadtzentrum seit dem 18. Jahrhundert gleich mehrere Gotteshäuser unterschiedlicher Konfessionen finden, darunter neben der rumänisch-orthodoxen Kathedrale ("Mondkirche") auch die römisch-katholische Kirche St. Ladislaus (größte Barokkirche Rumäniens) und die griechisch-katholische Kirche St. Nikolaus. In der Stadt existieren bis heute auch neun evangelisch-reformierte und weitgehend ungarische Gemeinden.

Eine besonders bekannte Sehenswürdigkeit profaner Art ist jedoch der Palast Schwarzer Adler (Palatul Vulturul Negru) mit seiner überdachten Glaspassage. Dieses Architekturdenkmal aus der Zeit der k.u.k. Doppelmonarchie wurde 1907/08 im Sezessionsstil errichtet und beeindruckt bis heute mit seinen berühmten Glasfenstern. Eine wichtige Sehenswürdigkeit ist auch die Festung (Cetatea Oradea), mit deren Bau im 11. Jahrhundert begonnen wurde und die im 17. Jahrhundert von den Prinzen Transsilvaniens erweitert wurde. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen und Festivals statt.

Auf den Spuren des jüdischen Erbes

In Oradea gibt es heute zwei wundervoll restaurierte Synagogen zu besichtigen, die an die jüdische Geschichte der Stadt erinnern. Im 19. Jahrhundert hatte sich Oradea zu einem der bedeutendsten Zentren jüdischen Lebens in Siebenbürgen und im östlichen Teil der Habsburgermonarchie entwickelt: Jüdische Kaufleute, Ärzte, Anwälte, Journalisten, Architekten und Unternehmer trugen wesentlich zur wirtschaftlichen, kulturellen und städtebaulichen Blüte der Stadt bei. Besonders sichtbar wird dieses Erbe bis heute in der 1878 errichteten Neologen Synagoge Zion, die über dem Ufer der Schnellen Kreisch thront, und in der Großen Orthodoxen Synagoge (1890).

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Oradea, damals auch unter dem ungarischen Namen Nagyvárad bekannt, etwa 30.000 Juden – rund ein Drittel der damaligen Stadtbevölkerung. Nach der deutschen Besetzung Ungarns im Jahr 1944 wurde die jüdische Bevölkerung ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert; nur wenige der Verschleppten überlebten. Durch die beiden sehenswerten Synagogen ist Oradea nicht nur eine Stadt des Jugendstils und der Donaumonarchie, sondern auch ein wichtiger Erinnerungsort jüdischer Kultur in Südosteuropa. In den restaurierten Fassaden und teils zu Museumsräumen umgestalteten Sälen wird das jüdische Erbe heute wieder sichtbar gemacht.

Top-Tipps: Oradea und Umgebung

➢ Suchen Sie den berühmten schwarzen Adler in der berühmten Passage.

➢ Unternehmen Sie einen Spaziergang entlang der 2018 ausgebauten Flusspromenade.

➢ Besuchen Sie die beiden größten Synagogen auf den Spuren der jüdischen Geschichte.

Ausflugstipp: Entdecken Sie die Höhle in Vadu Crișului (Peștera Vadu Crișului, ca. 57 km) und unternehmen Sie eine Wanderung im Flusstal.